In Großbritannien bereits Wirklichkeit, in Deutschland geplant: Eine Internet-Plattform, über die Kreditgeschäfte ohne klassische Bank abgewickelt werden. Das berichtet das Technologiemagazin Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe.
Vorbild ist das britische Unternehmen Zopa Ltd. Wer Geld verleihen möchte, teilt unter zopa.com Betrag, Zeitraum und Konditionen mit. Wer einen Kredit benötigt, gibt ebenfalls Betrag, Zeitraum und den Zinssatz an, den er oder sie zu zahlen bereit ist. Stimmen Angebot und Nachfrage überein, vermittelt Zopa das Geschäft. Dafür verlangt das Unternehmen von beiden Beteiligten eine Gebühr in Höhe von je 0,5 Prozent des verliehenen Betrages. Ein Darlehen über 8000 Pfund für drei Jahre zum Beispiel ist für den Kreditnehmer auf diese Weise einen halben Prozentpunkt günstiger als bei der billigsten Bank.
Schattenseite des Modells ist der fehlende Einlagensicherungsfonds, der bei Banken die Kundengelder im Falle einer Insolvenz schützt. Deshalb hat Zopa eigene Sicherungsmechanismen entwickelt: Kreditnehmer werden genau wie bei den Banken überprüft und in Bonitätsklassen eingestuft, bei säumigen Kreditrückzahlern beauftragt Zopa ein Inkassounternehmen. Zudem wird eine Versicherung gegen Zahlungsausfall vermittelt.
Nach Aussage von Carsten Hinze von der Unternehmensberaters Future Management Group interessiert sich ein "völlig bankfremdes deutsches Unternehmen sehr für dieses Geschäftsmodell". Allerdings könnte es hierzulande Probleme mit dem Gesetz über das Kreditwesen (KWG) geben. Für den Betreiber einer solchen Kreditplattform reicht ein Gewerbeschein, aber die einzelnen Geldverleiher müssen mit Konsequenzen rechnen, wenn sie ohne Erlaubnis gewerbsmäßig Kredite anbieten.